Studienarchiv
Wissenschaftliches Studienarchiv
Ein kuratiertes Repositorium der wichtigsten akademischen Arbeiten zum autistischen Phänotyp bei Frauen und Mädchen (Fokus: 2021–2026). Wir filtern die globale Datenlast und präsentieren die methodisch wertvollsten Erkenntnisse auf universitärem Niveau.
Tiefenrecherche in der NCBI-Gesamtdatenbank
Suchparameter: autism AND women (2021–2026). Überbrücke unsere manuelle Selektion und analysiere alle aktuell über 2.000 registrierten Primärquellen direkt im offiziellen PubMed-Portal.
What You Are Hiding Could Be Hurting You: Autistic Masking in Relation to Mental Health, Interpersonal Trauma, Authenticity, and Self-Esteem
Evans, Krumrei-Mancuso & Rouse (2024) untersuchen, wie stark autistisches Masking mit Depression, Angst, geringem Selbstwert und der Erfahrung interpersoneller Traumata zusammenhängt. Die Daten legen nahe: Je stärker autistische Züge dauerhaft unterdrückt werden, desto höher die psychische Belastung – ein Preis, der oft unsichtbar bleibt.
The relationship between camouflaging and mental health: Are there differences among subgroups in autistic adults?
Van der Putten et al. (2024) zeigen an einer großen Stichprobe autistischer Erwachsener, dass ausgeprägtes Camouflaging positiv mit der Schwere psychischer Probleme sowie mit der Anzahl aktueller und lebenslanger psychiatrischer Diagnosen korreliert. Masking erscheint hier nicht als neutrale Anpassungsstrategie, sondern als Belastungsfaktor mit messbaren Folgen.
Does camouflaging predict age at autism diagnosis? A comparison of autistic men and women
Milner, Colvert, Hull et al. (2024) untersuchen erstmals quantitativ, ob Camouflaging das Diagnosealter beeinflusst. Ihre Analyse zweier Datensätze zeigt: Autistische Frauen setzen Kompensationsstrategien häufiger ein als Männer, was die Erkennung autistischer Merkmale verzögert und zu einer späteren Diagnosestellung beiträgt.
Sex-related brain connectivity correlates of compensation in adults with autism: insights into female protection
Walsh, Pagni, Braden et al. (2023) identifizieren spezifische Konnektivitätsmuster im Gehirn autistischer Frauen, die mit Camouflaging-Verhalten zusammenhängen – unter anderem in präfrontalen, parahippocampalen und zerebellären Bahnen. Die Ergebnisse liefern erste neurobiologische Hinweise auf eine mögliche „weibliche Schutzhypothese“ bei Autismus.
Sex differences in autism spectrum disorder using class imbalance adjusted functional connectivity
Namgung, Mun, Park et al. (2024) gleichen erstmals das starke Geschlechterungleichgewicht in Autismus-Bildgebungsdaten methodisch aus und zeigen distinkte funktionelle Gradientenmuster bei Frauen und Männern mit Autismus – mit Verbindungen zu Genexpression in Kortex, Thalamus und Striatum sowie unterschiedlichen Zusammenhängen zur Symptomschwere.
Sex differences of the triple network model in children with autism: A resting-state fMRI investigation of effective connectivity
Li, Li, Chen et al. (2023) untersuchen mittels Ruhezustands-fMRT das „Triple-Network-Modell“ bei autistischen Kindern und finden deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der effektiven Konnektivität zwischen zentralen Hirnnetzwerken – ein Hinweis darauf, dass sich Autismus neuronal bei Mädchen anders manifestieren kann als bei Jungen.
Improving Diagnostic Procedures in Autism for Girls and Women: A Narrative Review
Cook, Hull & Mandy (2024) legen dar, warum bestehende Diagnoseverfahren autistische Mädchen und Frauen systematisch benachteiligen – von unzureichenden Testinstrumenten bis zur Überlagerung durch komorbide psychische Erkrankungen. Der Beitrag liefert konkrete Empfehlungen für eine faire Diagnostik.
Borderline Personality as a Factor in Late, Missed, and Mis-Diagnosis in Autistic Girls and Women: A Conceptual Analysis
McQuaid, Strang & Jack (2024) analysieren, warum autistische Mädchen und Frauen besonders häufig fälschlich mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden. Die konzeptionelle Analyse zeigt, welche phänotypischen Merkmale zu dieser Fehlkategorisierung führen – mit weitreichenden Folgen für Behandlung und Selbstverständnis der Betroffenen.
Female gender and autism: underdiagnosis and misdiagnosis – clinical and scientific urgency
Minutoli, Marraffa, Failla et al. (2026) argumentieren, dass die geringere Autismus-Prävalenz bei Frauen zu großen Teilen auf systematische Unter- und Fehldiagnose zurückzuführen ist statt auf eine tatsächlich niedrigere Häufigkeit. Der Beitrag benennt dies als dringendes klinisches und wissenschaftliches Handlungsfeld.
