Sensorik

Expeditions-Station: Sensorik

Sensorische Wahrnehmung bei Frauen

Wie das autistische Gehirn Umweltreize filtert und warum der Alltag oft einer Reizüberflutung gleicht.

1. Hypersensitivität (Überempfindlichkeit)

Der körpereigene Filter für Reize ist durchlässig. Reize strömen ungebremst ein und werden im Gehirn als „laut“ oder „schmerzhaft“ bewertet. Frauen im Spektrum nutzen oft unbewusst viel Energie, um diese Reize im Alltag wegzudrücken.

2. Hyposensitivität (Unterempfindlichkeit)

Bestimmte Sinnesreize kommen im Gehirn nur abgeschwächt an. Betroffene benötigen stärkere Reize, um sich selbst oder ihren Körper im Raum zu spüren. Dies äußert sich oft im Suchen nach bestimmten Bewegungen oder Texturen.

Wahrnehmung im Alltag

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Hören (Auditiv)

Hintergrundgeräusche (wie das Summen eines Kühlschranks, Uhrenticken oder Smalltalk im Großraumbüro) können nicht ausgeblendet werden. Das Gehirn verarbeitet das Ticken einer Uhr mit derselben Priorität wie die Stimme eines Gesprächspartners.

Sehen (Visuell)

Neonlicht, flackernde Bildschirme oder sehr unruhige, vollgestellte Räume erzeugen visuelle Erschöpfung. Viele autistische Frauen tragen auch an bewölkten Tagen oder in Innenräumen eine Sonnenbrille, um das Nervensystem zu entlasten.

Tasten & Fühlen (Taktil)

Kratzende Etiketten in der Kleidung, bestimmte Stoffe (z. B. Wolle) oder unerwartete, leichte Berührungen können eine sofortige Stressreaktion auslösen. Gleichzeitig kann eine feste, tiefe Berührung (wie eine Gewichtsdecke) stark beruhigend wirken.

Geruch & Geschmack

Parfüms, Reinigungsmittel oder Essensgerüche werden extrem intensiv wahrgenommen und können Übelkeit oder Kopfschmerzen auslösen. Beim Essen wird oft eine selektive Ernährung bevorzugt – oft geht es dabei weniger um den Geschmack als um die Konsistenz der Nahrung im Mund.

Was ist Stimming?

Stimming (Selbststimulierendes Verhalten) ist ein wichtiges Werkzeug zur sensorischen Regulation. Durch repetitive Bewegungen (wie das Nesteln an Ringen, Haare zwirbeln, Schaukeln oder das Summen von Tönen) beruhigen autistische Frauen ihr überreiztes Nervensystem oder führen einem unterstimulierten Sinn Reize zu. Stimming ist keine Macke, sondern notwendige Psychohygiene.