Komorbiditäten
Komorbiditäten & körperliche Begleiterscheinungen
Autismus kommt selten allein. Warum neurodivergente Frauen besonders häufig von spezifischen chronischen Erkrankungen betroffen sind.
Als Komorbiditäten werden Erkrankungen bezeichnet, die zusätzlich zur Primärdiagnose (Autismus) auftreten. Bei autistischen Frauen zeigt sich eine biologisch faszinierende, aber für Betroffene oft schmerzhafte Häufung bestimmter körperlicher und psychischer Symptome. Vieles davon hängt direkt mit dem dauerhaft hochgefahrenen Nervensystem (Dauerstress) zusammen.
Häufige Begleiterkrankungen bei Frauen
Klicke auf die Cluster, um die Zusammenhänge zu verstehen.
Studien zeigen eine starke genetische Verbindung zwischen Autismus und Bindegewebsschwächen wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS). Autistische Frauen sind oft „überbeweglich“ (hypermobil), was zu chronischen Gelenkschmerzen, häufigen Blockaden und chronischer Erschöpfung führt.
Das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems. Beim Aufstehen schießt der Puls extrem in die Höhe, was zu Schwindel, Gehirnebel (Brain Fog), Herzrasen und extremer Erschöpfung führt. Das vegetative Nervensystem kann die Körperfunktionen schlicht schwerer regulieren.
Das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) führt dazu, dass die Immunzellen des Körpers unangemessen heftig auf völlig normale Reize (bestimmte Lebensmittel, Gerüche, Medikamente, Stress) reagieren. Viele autistische Frauen leiden unter diffusen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, chronischen Magen-Darm-Problemen oder plötzlichen Hautrötungen.
Autismus und ADHS treten extrem häufig gemeinsam auf. Betroffene (oft als AuDHD bezeichnet) erleben einen permanenten inneren Widerspruch: Ein Teil des Gehirns verlangt nach strikter Routine, Vorhersehbarkeit und Ruhe (Autismus), während der andere Teil nach ständigem neuen Input, Reizen und Abwechslung sucht (ADHS). Das führt zu einer extremen inneren Zerreißprobe.
Achtung vor Fehldiagnosen
Weil das weibliche Autismus-Spektrum medizinisch noch immer zu wenig bekannt ist, erhalten Frauen oft jahrelang rein psychische Fehldiagnosen wie Borderline (BPS), eine rezidivierende Depression oder Angststörungen. Oftmals sind diese Symptome jedoch keine eigenständige Erkrankung, sondern das Resultat eines unvollständigen, traumatischen Lebens in einer für sie ungeeigneten Umwelt.
